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Der Zustand der Stadt war in dieser Zeit ein höchst trauriger. Handel und Gewerbe lagen gänzlich darnieder, und ihr gegenüber war am Rheine ein bunter Pavillon errichtet, mm welchen: aus die französischen Grenzwächter die Verbindung beider Rheinnfer luchsäugig überwachten und den Verkehr hemmten. In Andernach arbeitete die Neinu'Varensfeldische Fabrik uun Gesundheitsgeschirr fort. Die damaligen höchst traurigen Verhältnisse unserer guten Stadt schilderte ein Sahn Neuwieds, der Naturdichter und Tischler Chr. Vorkholder in seiner „Ieremiade, geschrieben im Januar 1813":
„Geh' ich mit unbefangnen Forfcherblicken Nie öden Straße» sinnend auf und ab, Und seh, wie Mancher den Nuin z» schmücke», Ein buntes Aussehn seiner Wohnung gab, Das Arme»haus, die schlafenden Fabriken, De» Flittergold uncha»g'»e» Bettelstab: Und jammernd miter dreifach scharfen !>t»the», Die Bürgerschaft der armen Stadt verbluten. Dann ruf' ich: Wehe dem, der solche Lasten Mit kaltem Blute auf Germanien häuft!'*)
*) Stunde» der Erholung i» vermischNn Gedichte». Von Christian Borlholder, Tischler. Neuwied, t8>4. In der Hanpt'sche» Nuchdruckerei. (Eine fehr anjehnliche Subscribe»ten>Lislc giebt Zeugnis! uou der Theiluahme des Publikunis für de» patriotischen Dichter. Vou seiner deutsche» Gesinnung zeugt auch ein Gedicht „Elegie auf den Nuinen der Festung Ehrenbreitstein, im August 1809 geschrieben", als die Macht Napoleons fo hoch stand, woraus wir, feiues propheüfcheu Geistes wegen, folgende Verse entnehme»-
„ Tclavenhecre dic»e» de,» Despoten,
Die des unterjochte» Volkes spotte»:
Doch der Schande laste»des Gewicht,
Fühlen, leider, deutsche Selaveu nicht!
Aber wenn der Freiheit Löwenstimme
Unser Volk dereinst z» Helden macht,
Wenn die Rache mit gerechtem Grimme
Ueber Frankreichs Nnuberhordeu kracht:
Ha! dann werden wir die Schuld vergüten,
Zur Vergeltung uns die Hände bieten!
Und danil Halle bis zur Grnnze Rand
Deutsche Sprache, deutsches Vaterland!" So dachte und sang unser einsacher Neuwieder Haudwerter, zu einer Zeit, als der schrecklichste Druck auf Deutschland lag, und Viele schon aller Hoffnung auf eiue bessere Zeit entsagt hatten, wie z. B. o:r geniale Dichter H. von Nleist, der in einem Briefe feine ganze Hoffnungslosigkeit aus» spricht: „Wer weiß, ob Jemand nach hundert Jahren noch in dieser Gegend (er meint die Marl Brandenburg) deutsch spricht!"
