236
Kräutern groß erziehen. Unsere Wälder sind Kohlgärten, in Reihe» gesetzt; hier ist jeder Fuß breit Mannichfaltigkeit, ich möchte sagen, Waldgeschichte; denn der Großvater wird nicht abgehauen, damit der Enkel wachse, sondern er bricht von der Last der Jahre zusammen, und seine Urenkel beschatten seine vermodernden Gebeine."
Washington. „Washington ist ein recht hübsches Dorf von 4L,000 Einwohnern. Wir waren natürlich sehr gespannt, die Hauptstadt der neuen Welt zu seheu, und fuhren mit große« Erwartungen zu deu unendlich breiten, ungepflasterten und «n- chaussirten Avenüen hinein. Allein der erste Eindruck, der uns entgegentrat, waren einige Ochsenkarren, mit darauf schlafende» Bauern, ganz wie (ehemals) auf dem Louifenplatz in Neuwied, Nur die Hauptstraße ist bei Nacht erleuchtet, sonst ist Alles dunkel, und wenn man zu Diners und Gesellschaften fährt, so sieht die Hauptstraße oft ans, wie ein breiter Sturzacker, von welchem man zuweilen ein niedliches Landhaus in der Ferne entdeckt. Das Ganze ist mehr wie ein enormer Stadtplan, wo man hie und da angefangen hat zubauen. Die großen öffentlichen Gebäude, theils von weißem Marmor, liegen ganz zerstreut uud eigentlich schön ist nur das Capitolium, auf einer beherrschenden Anhöhe gelegen. Dieses Gebäude mit einer hoheu Kuppel, wie das Pantheon in Paris, ist von allen Theilen der Stadt zu sehe,: und bildet überall ein schönes point cko vir«. Alle Kunstsachen, Bilder, Statuen, sind von unübertrefflicher Geschmacklosigkeit. Die Natur hat aber Einiges für diesen Platz gethcm, denn die hohen Ufer des Potomac gestatten eine reizende Fernsicht über die mannichfaltigen Flußgebäude. . . ."
Der Alabama. „Der Alabama, wonach auch der Staat genannt ist, ist eigentlich ein kleiner Fluß, wie die Mosel, in dieser Jahreszeit aber für die größten Dampfschiffe fahrbar bis 500 (engl.) Meilen ins Innere. Seine Ufer sind meist Sümpfe, mit immergrünen Schlingpflanzen, immergrünen Eichen und Naurus (üeraÄus. Unter den mächtigen Bäumen, die ihr Laub im Winter verlieren, sind die riesigen Platanen die schönsten. Sie hängen mit ihren schneeweißen Niesenarmen in die braune Fluth und bilden einen reizenden Contrast gegen den grünen Grund der Staudengewächse. Die übrigen Bäume, Ulmen, Wallnutz, Eichen, Cedern, Kiefern, ragen mit ihren colossalen Stämmen aus dem
