Annalisten des Klosters Fulda vernehmen:Auf die Nachricht von Ludwigs (des Deutschen) Tode fiel Karl (der Kahle von Frank­reich, Kaiser) voller Begierde in dessen Reich ein und suchte es seiner Herrschaft zu unterwerfen in der Meinung, er könne, wie das Gerücht verbreitete, nicht blos den Titel des Reichs von Lo­thar, welchen Ludwig besessen und seinen Söhnen zur Nutzung hinterlassen hatte, gewaltsamer Weise in Besitz nehmen, sondern auch alle am westlichen Ufer des Rheinflusses gelegenen Städte in Ludwigs Reich, das ist Mainz, Worms und Speyer, seinem Reiche zufügen und des Bruders Söhne gewaltsam unterdrücken, fo daß keiner ihm zu widerstehen oder dawider zu reden wagen würde. Zuerst daher eilte er nach der Pfalz Aachen, und von da aufgebrochen mit feinem ganzen Heere, machte er in Köln Halt. Vorher auch hatte er Gesandte an die Edeln Ludwigs geschickt und sie aufgefordert, den eigenen Herrn zu verlassen und sich ihm anzuschließen, wobei er den Kommenden sehr viele Bene- ficien und Geschenke versprach, den anders Handelnden aber Ver­lust ihrer weltlichen Besitzungen oder Landesverweisung drohte. Ihm rückte Ludwig, welcher dem Vater in diesen Gegenden als Erbe nachgefolgt war, mit Wenigen entgegen und fchlug an dem nördlichen Ufer des Rheinflusses sein Lager auf. Dann schickte er Voten an Karl, um ihn zum friedlichen Rückzug zu bewegen. Aber als jener, durch Habsucht gestachelt, keineswegs sich fügen wollte, fo zog sich Ludwig in einer Nacht aus dem Lager, ging über den Rheinfluß und fetzte sich mit den Seinen in dem Castell Andernach, und fast sein ganzes Heer zerstreute sich über verschiedene Orte hin, um Futter für die Pferde zu fammeln.

Wiederum ordnete er Boten an Karl ab, um den Frieden unter ihnen herzustellen; aber Karl, Frieden heuchelnd und Be­trug im Herzen sinnend, versprach mit hinterlistiger Falschheit, er werde zum gemeinsamen Nutzen in den Frieden willigen und Ge­sandte an Ludwig schicken. In derselben Nacht nämlich zog er eilig mit seiner ganzen Macht heran, um nach Vernichtung der Uebrigen Ludwig zu sangen und die Sitze seines Augenlichtes aus­zuhöhlen, hernach sein Reich ohne irgend welchen Widerstand in Besitz zu nehmen. Willibert jedoch, Bischof der Stadt Köln, der Karls trügerischen Plan durchschaute, ging, während die Uebrigen