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In den ersten zehn Jahren nach dem Anbau oder Kaufe eines Hauses sollte der Besitzer von aller Abgabe frei sein, dann eine mähige entrichten; dagegen wollte der Graf keine Landsteuern, Reichs- und andere Contribntionen und Collccten auflegen. Beamte und Adelige wurden von bürgerlichen Lasten frei gesprochen. U) Die gräflichen Nenteu und Gefälle füllten an Niemanden ver­pfändet werden.^)

Bis zum Jahre 1670 hatte sich Neuwied schon so bedeu­tend vergrößert, daß für die reformirten Einwohner der Grund­stein zu ihrer Kirche gelegt wurde, für welche sie bei den refor­mirten Gemeinden zu Köln nnd Mülheim um eine christliche Beisteuer baten; auch die Lutherauer und Katholiken hatten so zuge­nommen, daß ihre Bethäuser die Versammlungen nicht mehr zu fassen vermochten. Aber auch die Gcwerbthätigkeit war mit kräf­tigen Schritten voran gegangen: mußte man doch zu Coblenz für den fürstlichen Ban am Iesuiten-Collegium, zu welchem der Chur- fürst Karl Kaspar von Trier (aus dem Hause von der Leyen) am 24. März 1670 den Grundstein legte, aus Neuwied die Nägel beziehen.

Das Jahr 1673 brachte unserer guten Stadt die ersten Kriegs­bedrängnisse. Ludwig XIV. hatte die Holländer mit Krieg über­zogen, welchen Kaiserliche und Brandenburger beizustehen sich ver­einigten, während der Churfürst von Köln und der Bischof von Münster auf Fraukreichs Seite standen. Trier hielt zu Deutsch­land. Da waren es bald Franzosen, bald dentfche Truppen aus den verschiedensten Ländern, welche nnser schönes Thal durch Plünderung und Zerstörung in Noth brachten und auch unsere Stadt bedrängten. Bei Coblenz hatte der Churfürst von Trier 1663 eine fliegende Brücke errichtet, die jedoch gegen den Anfang des Winters 1672 von den Franzosen weggeführt und nach Ander­nach gebracht wurde, von wo aus die Franzosen häufige Raubzüge auf das rechte Rheiuufer machten. Bei Neuwied hatten sie auch

*) Wer von de» geneigten Lesern nähere Kenntnis; von diesen Urkunde!! zu haben wünscht, den verweisen wir auf die kleine Schrift:Die Stiftungs- Urkunden der Stadt Neuwied. Abgedruckt nach einer beglaubigten Perga> mentabschrist im städtischen Archive. Herausgegeben znr 200jährigen Jubel» feier der Stadt Neuwied am 26. August 1853. (19 S.) Neuwied 1853- Druck und Verlag von G. A. van der Veeck."