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Erzstift Köln mit Ludwig XIV. alliirt war, so häuften sich in unserem Thale, vor den Gränzen des Erzstifts, pfälzische, hessische, kaiserliche, holländische, hannoverische, schweizerische und trierische Truppen mit den ungeheuersten Forderungen, die meist durch Mißhandlungen aller Art erpreßt, manchmal jedoch auch durch Zahlung vergütet wurden.
Außerdem aber herrschte fortwährend in Neuwied selbst große Bewegung, da durch intolerante Beamte die Begünstigungen, welche Graf Friedrich der lutherischen und katholischen Gemeinde ertheilt hatte, häufig widersprochen wurde und vielfache Bedrückungen stattfanden, fo daß sogar mehrere Familien unsere Stadt wieder verließen. Diese» Beschwerden suchte der junge GrafFriedrich Wilhelm, der in Verlin seine Ausbildung erhalten, sich 1704 mit der Vurggräsiu vou Dohua, Luife Charlotte, vermählt hatte und 1705 in seiue Grafschaft zurückgekehrt war, 1707 durch eine neue Kirchenordnung, die dem Geiste seines Vaters entsprach, ein Eude zu machen, dennoch aber horten die Streitigkeiten nicht auf, da die reformirte Gemeinde die Begünstigte blieb und ihre Rechte stets festhielt. Das abgebrannte Schloß wurde von 1707 bis 1712 in viel größerer Ausdehnung aufgebaut und der daranstoßeude Weingarten in einen Kuustgarten umgewandelt.
Schon seit dem Anfange des Jahrhunderts waren auch Iuden- familien in Neuwied aufgenommen worden, besonders geschah dies feit 1730. Es wurden ihueu Schutzbriefe ertheilt und sie durften, gegen eine jährliche Abgabe von acht Reichsthaleru, in der Graffchaft ungehindert Handel treibe», wnrden aber, bei Ueber- vortheilung und unerlaubtem Wucher, mit Verlust des Schutzes bedroht.
Der Graf Friedrich Wilhelm verschied am 17. September 173? an den Folgen eines Schlagflusses, nachdem ihm das Jahr vorher seine treffliche Gemahlin Luise Charlotte, deren Mitwirkung die Stadt die Anlegung neuer Straßen und die Aufnahme französischer gewerbthätiger Familien zu verdanken hat, vorangegangen war.
In der Regierung folgte dessen ältester Sohn, der thatkräftige Johann Friedrich Alexander, geb. am 19.November 1706, ein Regent, der wohl den ehrenden Beiname „der Große" sich erworben haben würde, wenn die Grenzen seiner Thätigkeit nicht
