Als eben der Tag, am 2. Juli, zu grauen begann, wurden die Einwohner Neuwieds auf eine fürchterliche Weife aus dem Schlafe gefchreckt. Der Donner der Geschütze und die Explosionen der Granaten verkündete» eine allgemeine Beschießung der Stadt aus fämmtlichen Batterien des linken Rheinufers und der Infel. Mit dem Morgen fchon fuhren 1000 Grenadiere der Divisionen Championnet und Vernadotte von Weißenthurm aus in Schiffe» und Nachen über, worauf die geringe Macht der Oesterreicher die Stadt verließ und in grußer Ordnung fechtend nach Sann abzog, um sich mit den« österreichischen Hauptheere zu vereinigen.
Die Fortschritte wr Franzosen in Deutschland waren überhaupt sehr bedeutend und schon standen die Sambre- und Maas« armee unter Iourdan uuddie Nhein-armee unterMoreau im Begriff, sich in Vaiern zu vereinigen und gegen Wien vorzudringen, als Erzherzog Karl am 24. August den Obergeneral Iourdan bei Amberg und am 3. September bei Würzburg schlug. In Folge diefer Niederlagen wurde fchon am 18. September die Belagerung von Ehrenbreitstein aufgehoben, als drei österreichische Heeresabtheilungen in der Ebene von Neuwied erschienen und Lager zwischen Ober bieder und Gladbach, zwischen Romme rsdorf und Sann und bei Vendorf bezogen.
„Der 29. September war einer der blutigsten Tage, den Neuwied, während der Kriegsbegebeuheiten in seiner Umgebung gesehen hatte. Generalfeldmmschalllieutenant Kr an formirte gegen 3 Nhr sein Armeecorps in drei verschiedene Angriffscolonnen. Die erste besetzte die Höhen vo» Irlich und pflanzte Geschütz in den Weinbergen auf, welches die Ebene Neuwieds bestrich; die zweite griff das von den Franzofen befetzte Heddesdorf an, dessen sie sich bemeisterte; die dritte drang durch den Schloßgarten in die Stadt ein. Dies machte die Straßen zum Schauplatz eines blutigen Gefechtes, welches mit abwechselnden« Glücke geführt wurde. Bon den Heddesdorfer Anhöhen feuerteu die Oesterreicher mit zwölf Geschützen auf de» französifchen Brückenkopf, der nicht minder heftig antwortete. Zugleich feuerten alle Batterien des linken Rheinufers. der Infel und des Brückenkopfes auf die Stadt, welche hierdurch unausgesetzt einen: Hagel von Kugeln, Kartätsche» und Granaten jedesmal in dem Theile ausgesetzt war, wo die österreichischen Truppen für den Augenblick festen Fuß gefaßt hatten."
