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(S. 83) vollkommene Religionsfreiheit und so war in den dunkeln Zeiten der religiösen Unduldsamkeit ein Gesetz gegeben, das das junge Neuwied zu einem Asyl für Alle ihres Glaubensbekenntnisses wegen Bedrückte eröffnete und bald fehen wir auch verschiedene Con- fessionen Gemeinden bilden. Wenn auch die reformirte Gemeinde sich als die Begünstigte anjah, da der Landesherr und seine Familie ihr angehörten, wenn auch öfters unduldsame Beamte auf die anderen Gemeinden schweren Druck ausübten, so war es doch den freisinnigen Ideen des Grafen Friedrich Wilhelm und vorzüglich Friedrich Alexanders zu danken, daß alle diese widrigen Einflüsse gehemmt oder beseitigt wurden.
Das Beieinanderwohnen der verschiedenen Religionsverwandten hat aber auch Niemand in seinen religiösen Begriffen geschadet, im Gegentheil haben, sich die Bewohner Neuwied's stets durch ihre kirchliche Gesinnung und ihre Theilncchme an den Gemeindever- hältnissen ausgezeichnet.
Wie konnte es aber auch anders sein? Wo verschiedene Religionsanschauungen neben einander wohnen, da sucht jede sich in ihren Ansichten zu befestigen; wo aber keine friedliche Reibung statt find»'« kann, da stagniren und versumpfen oft die Begriffe.
Es haben aber diese confessionellen Gegensätze auf das oberste und erste Princiv der Gründung der jungen Stadt, durchaus auch nicht nachtheilig auf den Geist der gegenfeitigen Duldung gewirkt, fondern, wie es natürlich war, dasselbe nur gestärkt. Die verschiedenen Confessionen haben sich gestützt und getragen, und wenn das Gotteshaus der einen Gemeinde eine Ausbesserung verlangte, so hat die andere Gemeinde ihr freudig die Benutzung des ihrigen entgegen getragen. Große vaterländifche Feste wurden sogar gemeinschaftlich begangen: so „die hohe Feier des preußischen Friedensfestes am 18. Januar 1816 durch eine Vereinigung aller christlichen Kirchen."*) In der lutherischen Kirche, als der geräumigsten, wurde das Fest gefeiert, wobei der reformirte Geistliche, Herr Pastor Maaß, die Altarrede, der lutherische Pastor, Herr Neck, die Predigt, der katholische Pastor, Herr Bausch, das Schluhgebet am Altare, und der Prediger der Herrnhuter Brüdergemeinde, Herr Herbst, noch eine kurze Schlußrede hielt.
*) Frankfurt a. M. 1816, bei H. «. Brünner.
