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Welcher Neuwiedes, wenn er von Heddesdorf spricht, denkt nicht an die Pfingstreiter, die am Pftngstdienstag kommen und durch welche Neuwied und Heddesdorf ihr Psingstfeft noch um einen

Die wesentlichen Cigenthümlichteiten der Raiffeisenschen Vereine sind in Kürze folgende: Sielassen es nicht allein bei der Geldbeschaffung bewenden, vielmehr wollen sie, indem sie den Grundsatz der Solidarität nicht blos in dem bekannten engeren, sondern in einem umfassenderen, mit einem Worte im christlichen Sinne, voranstellen, die Wohlfahrt ihrer Mitglieder in jeder Beziehung fördern. Deshalb kleine Vereinsdezirte, wo möglich nicht über den Kirchspielsverband. Von den Mitgliedern werden keine Einlagen erho> den, dagegen steht es denselben frei, ihre Ersparnisse bei den Vereinen zinsbar anzulegen. Dividenden werden an die Mitglieder nicht uertheilt. Der durch Provision und Zinsüberschuß, hin und wieder auch durch ein geringes Gin­trittsgeld nener Mitglieder sich bildende Gewinn, wird als untheilbares Vereinsuermögen angesammelt.

Um gründlich zu helfen und die Mitglieder aus der Umschlingung des Wuchers zu befreien, beschaffen die Vereine nicht allein das zum gewöhnlichen Geschäftsbetriebe uöthige mobile, sondern auch das fixe Capital. Die Dar» lehen müssen von den Mitgliedern nllmählig zurückgezahlt werden. Die Rückzahlungsjristen sind von einem Viertel Jahr bis zu zehn Jahren festge» setzt, bei gleichen jährlichen Theilzahlnngen. Um den bankmäßigen Grundsatz: »nicht auf längere Frist auszuleihen, als man angeliehen hat" zu beachten, find den Mitgliedern gegenüber kurze Kündigungsfristen vorbehalten.

Die Verwaltung und Buchführung der Vereine ist einfach, übersichtlich, wenig zeitraubend, so daß dazu nur gewöhnliche Schulbildung und gesunder Menschenverstand nöthig ist. Ohne eine besondere Verwaltung zn erfordern, diene» die Vereine zugleich als Consumuereine. Viele der nothwendigen Lebensbedürsnisse: Nahrnngsmiltel, Geriithe, Dünger u. s. w, werden in Möglichster Güte und billigst von den Vereinen beschafft und an die Mit» glieder gegen Zahlung der Kosten vertheilt.

Aus dieser ganz gedrängten Skizze ist wohl so viel zu erfehen, daß die ^niffeisen'schen Vereine eine sehr segensreiche Wirksamkeit zu entfalten im Stande sind, nicht blos für die materielle, sondern in deren Gefolge auch für die sittliche Hebung des Landvolkes. Der speciclle Charakter ihrer Einrichtungen, wodurch sie sich von bekannten ähnlichen Organisationen Unterscheiden, ist theils der Rücksichtnähme auf die Nefonderheiten der länd. Uchen Verhältnisse entsprungen, theils aber liegt ihm ein eigenthümliches Prinzip zu Grunde. Es ist dies, kurz gesagt, der Gedanke, daß zur Heilung der gesellschaftlichen Leiden unserer Zeit nicht blas das Interesse und der Egoismus, sondern auch die Sprungfedern der sittlichen Kräfte und Motive, Mit ciuem Worte, der Gemeinsinn m Thätigkeit gesetzt werden müsse. Und 'n dieser Hinsicht ist den Rniffeisen'jchen Vereinen, wenigstens ihren Grund» z>Wn und Grundgedanken, vielleicht noch eine große Zukunft vorbehalten.