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Tag verlängern? Es ist Kirmes! In den Zeddesdorfer Wirthshiiusern ist Mulik und Tanz. Von allen Seiten sind die Besucher hinzugeströmt. Nachmittag drei Uhr ist vorüber. Wo sie nur bleiben mögen? hört man allerwärts fragen. Unruhig und erwartungsvoll laufen die Knaben umher. Sie sind doch zu gewöhnlicher Zeit ausgezogen! Wo sind sie denn?

Die Abtei Rommersdorf besah einst das Recht, ihre Schaf- heerden zur Wasche im Wiedbache durch Heddesdorf zu treiben; auch Engers hatte eine Weidegerechtigkeit in der Gemarkung von Heddesdorf. Dafür hatten die Abtei und Engers eine Abgabe zu entrichten, die am Pfingstdienstage von den Heddesdorfern selbst erhoben werden mußte, die dabei zu Nommersdorf mit Vrod und Wein erfrischt wurden. Zu Engers ritten sie aber nicht ein, die Steuer mußte, der Sage nach, ein Schäfer in einem weißen Rocke vor den Ort bringen. Selbst aber mußten sie die Abgabe erheben und von dem Tage an, an welchem dies unterblieb, war sie verfallen- Welche Obrigkeiten in früheren Zeiten die Empfänger waren, ist jetzt unbekannt. Seit langen Jahren aber sind es die Pfingst- reiter, welche die Gerechtsame aufrecht erhalten.

Sie kommen! Sie kommen! ertönt es endlich aus der Ferne und schallt es näher und näher. Herangesprengt, hoch zu Gaul, kommen die Psingstreiter, kräftige, jnnge Männer im dunkelblauen Ueberrock und gleichfarbigen Beinkleidern, einen Cvlinder auf dem Haupte, dem auf einer Seite ein großer künstlicher Strauß, Rosen mit Gold geschmückt, aufgesteckt ist. Iubelgeschrei begrüßt sie. Geschäftig sprengen sie vor den Wirthshäusern einher, nach dem anstrengenden Ritte sich mit einigem Getränk erquickend. Aber bald werden die Pferde befeitigt. Die Reiter müssen ihre Mädchen, welche sie am Maiabende für baares Geld ersteigert, zum Tanze führen-

In den Gebirgsgegenden des Nheinlandes ist es gebräuchlich, daß am Maiabend die Bursche Abends zusammen treten, um die Mädchen des Ortes auf die Dauer eines Jahres zu versteigern. Für die Reichsten und Schönsten wird der höchste Preis gezahlt! die Geringsten werdenim Rummel" versteigert. Der eingegan­gene Ertrag dient zur Bestreitung der Kirmeskosten. Es bilden sich dadurch Paare, die mit größter Aufmerksamkeit, besonders bei dem Tanze, für einander Sorge tragen. Nicht selten wird ein Bündnih für das ganze Leben daraus, das bei Manchen vielleicht