288
schrecklich bedrängten Bewohner, uns unserer lieblichen, wenn auch mit Blut getränkten Fluren und unserer unbeschreiblich schönen Natur und wenn am zweiten Psingsttage die Bevölkerung der Umgegend zu einem Freudenfeste hierher strömt und der Jüngling beim fröhlichen Tanze der sittigen Jungfrau in das wonnige Auge blickt, so gedenkt Niemand der vorübergegangenen Noth und des grenzenlosen Jammers früherer Zeiten!
Die Unterhaltung des Friedrichsberges gehört zu deu Verpflichtungen der Landesbaumschule zu Engers. Schade, dah mehrere hoch emporgewachsene Vaumgruppeu, wenn auch an sich erfreulich, den Blick in die Ferne zu sehr beschränken.
Der Name Nennerberg ist der alte landesübliche; Friedrichsberg heißt er seit 1811 nach dem Fürsten Friedrich von Nassau- Weilburg, der von seiner Sommerresioenz Engers aus hier die ersten Anlagen machen ließ und gern hat ihn die spätere Zeit, da er eben so an unsere Könige erinnert, beibehalten.
3ayn.
Eine halbe Stunde östlich von Engers liegen Flecken, Schloß und Burg Sann. Fortwährend die reizendste Vergunsicht, die durch üppige Obstpstanzungen blickenden zahlreichen Ortschaften im Auge, wandern wir auf fast vollkommener Fläche durch die lieblichen Fluren. Zu unserer Rechten erheben sich die zahlreichen dampfenden Schlote der den Gebrüdern Loffen gehörenden Eon coro ia- hütte. Neihen von Fuhrwerken, mit deu Producten der Gegend, namentlich mit Eisenerz vom Westerwalde beladen, beleben die Straßen. Zwei duukelbewaldete, in das Gebirge tief eingeschnittene Thaler, das Saun- und das Brachse-Thal, zeigen ihre steilen Gehänge. Da, wo sie in das Nheiubecken einmünden, vereinigen sich ihre raschfliehenden Bäche. Ein schroffer Felsenhang tritt in einem spitzen Winkel gegen das offene Rheinthal vor. Er ist das Ende eines Westerwald-Ausläufers, eine Scheidewand zwischen beiden Thälern bildend.
Der ganze felsige Abhang ist mit Trümmern und emporragenden Mauern der Sannburg bedeckt, an deren Fuß das ueue prächtige Schloß seine gläuzeuden Giebel erhebt. Vor uns liegt
