326
Gestein ist, in welchem wir uns hier befinden, und wie durch diese Porosität der Verdunstung des Wassers bedeutender Vorschub geleistet, hierdurch aber nothwendiger Weise Kälte erzeugt wird. Wieder zur Oberwelt emporgestiegen, durchdringt uns erquickend die Wärme nnd das Licht, und wir sprechen mit dem Dichter:
Wohl dem, der da athmet, im rosigen Licht!
Wir nehmen unseren Weg nach Noroen auf und gelangen nach einer kleinen Stunde zum
.'
Lllücher See.
Ein munderbar schöner Anblick erwartet uns, nachdem wir rüstig durch Gestrüpp und Haide dahin gewandert sind und durch die geöffnete Pforte eines sich herabsenkendeu Hohlweges blicken. Ein klarer Spiegel von tiefblauer Flulh, umarmt von grünen Höhen, liegt der See so friedlich da, als ob stets Ruhe und Gleichgewicht die Naturkräfte gefesselt hätte. Und gerade dieser See ist ein Zeugnih wildester Empörungen und das Ergebuiß großartiger Naturrevolutionen. Der Gegensatz beider: das Bewußtsein dagewesener Wildheit und der jetzt herrschende Friede erfüllt unser Herz mit geheimnihvollem Zauber.
Vor uns sehen wir den tiefblauen Seespiegel, an dessen Ufer zur Linken eine uralte Abtei mit ihrer prächtigen Kirche uns eut- gegenleuchtet, dann ringsum grüner Buchenwald! Wir kommen näher und wandern zum Gestade. Ein eigenthümliches Schwanken des den See umgebenden Erdreichs mahnt zur Vorsicht, wenngleich keine Gefahr damit verbunden ist. Es ist eben ein Gürtel fruchtbares Erdreich, wo noch vor nicht zu langer Zeit das Seewasser gestanden hat, bevor man nämlich den See zum Theil abgelassen hatte.
Das Becken des Sees wird von drei Seiten, nämlich im Westen, Norden und Osten von steilen, hohen Nerggehängen umgebe», welche sich aber im Westen nnter einem kleinereu Böschungswinkel zum See hin abdachen. Die Endseite, wo wir von Nie- deimeudig kommend, eintrafen, ist niedriges Hügelland. Unterscheiden wir die umgebende» Höhen genauer, so beginnt die Reihe zur südöstliche» Seite der Krufter Ofen, ein erloschener Vul-
